Shihan GICHIN FUNAKOSHI

”Das höchste Ziel im Karate-Do ist nicht der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion des menschlichen Charakters” (Gichin Funakoshi)
 

Shihan Gichin Funakoshi gilt als der Begründer des modernen Karate, so wie wir es heute kennen.

Gichin Funakoshi (1869 - 1957) wurde als Sohn einer Samurai-Familie der Shizoku-Kaste geboren. Er kam schon früh in die Obhut seines Großvaters, einem weisen Gelehrten und Mönch. Funakoshi wurde das Glück zuteil bei einem der größten Meister des Shuri-Te im klassischen Stil der Matsumura, Anko Azato, zu lernen und wurde sein bester Schüler. Azatos Ausbildung war hart. So trainierte Funakoshi zum Beispiel, um unter anderem zu lernen, Gefühle wie Frustration oder Erniedrigung zu bezwingen, die ersten drei Jahre lediglich eine einzige Kata, ein ums andere Mal. Obwohl Funakoshi als Erwachsener nach Naha geht und bei den Senseis Itosu und Aragaki lernt, hält er bis zu Azatos Tod Kontakt zu ihm.

Inzwischen hatte man auch in Japan von Okinawa-Te gehört und es stieg die Nachfrage nach Vorführungen. Funakoshi wurde auserwählt, nach Japan zu gehen und dort Shows dieser Kampfkünste abzuhalten. Allerdings wurde aus dem Okinawa-Te dort Kara-Te, "die leere Hand", bzw. Karate-Do, "der Weg der leeren Hand". Nach und nach gründete Sensei Funakoshi in Japan 12 Dojos und unterrichtete dort Karate. Aufgrund von Streitigkeiten mit den Ältesten auf Okinawa, welche die alten, geheimen Techniken nicht im Karate der Allgemeinheit angewandt wissen wollten, erschuf Funakoshi seinen eigenen Stil. In Japan war Funakoshi auch als Schriftsteller sehr bekannt, unter anderem für seine Gedichte. Allerdings wurden diese nicht unter seinem richtigen Namen veröffentlicht, sondern unter dem Pseudonym "Shoto", was soviel bedeutet wie "Pinienrauschen". Aus diesem Pseudonym und dem Wort "Kan", was "Halle" oder "Haus" bedeutet, wurde der Name für diese neue Stilrichtung geformt, "SHOTOKAN".

Funakoshi weigerte sich mit aller Macht gegen ein wettkampforientiertes Karate, konnte dies jedoch nicht verhindern. Shihan Gichin Funakoshi starb 1957 im Alter von 88 Jahren.

 

Die 20 Regeln des Shihan Gichin Funakoshi

Funakoshis Regeln werden in verschiedenen Quellen unterschiedlich zitiert, hier die wohl gebräuchlichsten:

  1. Karate-Do beginnt mit Respekt und endet mit Respekt!
    karate wa rei ni hajimari rei ni owaru koto!

  2. Im Karate gibt es keinen Ersten Angriff!
    karate ni sente nashi!

  3. Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit!
    karate wa gi no tasuke!

  4. Erkenne zuerst dich selbst, dann den anderen!
    mazu jiko o shire shikoshite hoka o shire!

  5. Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik!
    gijutsu yori shinjutsu!

  6. Lerne deinen Geist zu kontrollieren und befreie ihn dann!
    kokoro wa hanatan koto o yosu!

  7. Unglück geschieht immer durch Unachtsamkeit!
    wazawai wa ketai ni shozu!

  8. Denke nicht, dass Karate nur im Dojo stattfindet!
    dojo no mi no karate to omou na!

  9. Karate üben heißt, ein Leben lang arbeiten. Darin gibt es keine Grenzen!
    karate no shugyo wa issho dearu!

  10. Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du geistige Reife erlangen!
    arayuru mono o karate kasase soko ni myomi ari!

  11. Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hältst!
    karate wa yu no gotoku taezu netsu o ataezareba moto no mizu ni kaeru!

  12. Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert!
    katsu kangae wa motsu na, makenu kangae wa hitsuyo!

  13. Wandle dich abhängig vom Gegner!
    teki ni yotte tenka seyo!

  14. Der Kampf hängt von der Handhabung des Treffens und des Nicht-Treffens ab!
    ikusa wa kyojitsu no soju ikan ni ari!

  15. Stelle dir deine Hand und deinen Fuß als Schwert vor!
    hito no teashi o ken to omoe!

  16. Wenn man das Tor zur Jugend verlässt, hat man viele Gegner!
    danshimon o izureba hyakuman no teki ari!

  17. Die Haltung des Anfängers muss frei sein von eigenen Urteilen, damit er später ein natürliches Verständnis gewinnt!
    kamae wa shoshinsha ni, ato wa shizentai!

  18. Die Kata darf nicht verändert werden, im Kampf jedoch gilt das Gegenteil!
    kata wa tadashiku, jissen wa betsu mono!

  19. Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung!
    chikara no kyojaku, karada no shinshuku, waza no kankyu o wasuru na!

  20. Denke immer nach und versuche dich ständig an Neuem!
    tsune ni shinen kofu seyo!